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	<title>Die Welt zu Gast bei Juergen &#187; Maxim Biller</title>
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	<description>lese, staune, gute Laune...</description>
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		<title>Die kleinen Dinge des Lebens</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 23:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Juergen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenblut]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Mauer]]></category>
		<category><![CDATA[Mauerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Maxim Biller]]></category>
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		<category><![CDATA[Wende]]></category>

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		<description><![CDATA[Sieh an, sieh an, der Herr Biller fährt also öfter mit dem Fahrrad von Mitte in den Wedding ins Freibad.

Was daran ungewöhnlich ist? Na das Mitte-People ihren hippen, überteuerten, unsanierten Gut-Menschen-Kiez verlassen und Gefahr laufen, jenseits des Tellerrandes auf echte Menschen zu treffen, auf Menschen, die dringendere Probleme haben als die Frage, ob es sich lohnt, ein neues Blackberry zu kaufen oder den Wunsch, mit Jonathan Meese und dessen Mutter Eierlikör zu trinken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sieh an, sieh an, der Herr Biller fährt also öfter mit dem Fahrrad von Mitte in den Wedding ins Freibad.</p>
<p>Was daran ungewöhnlich ist? Na das Mitte-People ihren hippen, überteuerten, unsanierten Gut-Menschen-Kiez verlassen und Gefahr laufen, jenseits des Tellerrandes auf echte Menschen zu treffen, auf Menschen, die dringendere Probleme haben als die Frage, ob es sich lohnt, ein neues Blackberry zu kaufen oder den Wunsch, mit Jonathan Meese und dessen Mutter Eierlikör zu trinken, und Maxim Biller stellt dabei fest: &#8216;Wir müssen was tun!&#8217;, da hat er recht.</p>
<p>Ich bin zwar keiner dieser Mitte-People, auch wenn ich da seit einem Jahr arbeite. Die verhältnismässig wenigen Ausländer in Mitte sind keine Migranten aus Anatolien sondern Globetrotter aus Guatemala und Marokko und sie leben auch nicht von Sozialhilfe sondern verkaufen Trödel, machen Strassenmusik oder gar irgendwas mit &#8216;Kunst&#8217;. Der überwiegende Teil kommt aus Süd-Ost-Asien und betreibt einen Imbiss oder einen Gemüseladen, wo man bis weit nach Mitternacht noch Thai-Curry mit Huhn essen oder Bier und Zigaretten kaufen kann.</p>
<p>Wenn ich also Lust auf was exotisches habe, fahre auch ich in der Mittagspause mit meinem Fahrrad in den Wedding. Auf dem Weg durch die Kampfzone zwischen Mauerstreifen und Gesundbrunnen-Center blicke auch ich, genau wie Biller, in wütende, verzweifelte und traurige Gesichter. Kein New-York-Gefühl will sich derweil bei mir einstellen und es fällt mir auch kein anderer verlogener Jet-Setter-Begriff ein, um die zornige Leere zu verklären, die mir aus den Blicken der Kinder, Frauen und Rentner zwischen Bernauer und Osloer Strasse entgegenschlägt. Kaum einer spricht unfallfrei Deutsch, auch wenn die meisten hier geboren wurden und zur Schule gegangen sind, die Jugendlichen schreien einander meistens nur an und in ihren pubertären Pöbeleien weicht das Spielerische immer mehr dem bitteren Ernst ihrer aufkeimenden Perspektivlosigkeit.</p>
<p>An der Pankstrasse angekommen kann ich mich dann erstmal nicht zwischen Börek, Döner und Falafel entscheiden und während ich so schaue, betet Harkan mir seine Speisekarte vor. Dass er dabei immer lauter und aggressiver wird und jedes dritte Wort &#8216;Bittschön&#8217; ist, macht es auch nicht einfacher und ich nehme den Döner &#8211; wie immer. &#8216;Ohne Soße und ohne Tomate&#8217; &#8211; auch wie immer und zum ersten Mal an diesem Tag bekomme ich dieses tolle Berlin-Gefühl.</p>
<p>Vor viel zu langer Zeit schon haben wir uns angewöhnt, die Fremden, die hier mit uns leben in gute und schlechte Ausländer einzuteilen. Die einen, still, fleissig uns sauber, exotisch, weltoffen oder einfach nur anders &#8211; von denen können wir was lernen, die haben wir gerne um uns &#8211; die anderen gerade mal gut genug um unsere Dreck weg zu machen und sich dann zu verpissen in ihre runtergekommenen Neubausiedlungen. &#8216;Ausländische Mitbürger&#8217;, &#8216;Migranten&#8217;, &#8216;Menschen mit Mirgationshintergrund&#8217;, von Zeit zu Zeit, wenn die alten abgenutzt sind, erfinden wir wieder neue politisch korrekte Verniedlichungs-Vokabeln für den einfachen beschämenden Umstand, dass unsere Heimat niemals die ihre sein wird. Weil wir nie angefangen haben, sie zu lassen, haben sie aufgehört, zu wollen.</p>
<p>Während ich noch langsam die letzten Bissen des besten Döner im Wedding geniesse, stellt einer von Harkans Söhnen mir einen Tee hin, der so stark ist, dass ich wie auf einer kleinen Wolke den gesamten Weg nach Mitte zurückschwebe. Irgendwo am Humboldhain zieht das hektische Hupen eines weissen BMW stumpf an mir vorbei und ich denke: &#8216;Wer oder was macht uns eigentlich zu dem was wir sind?&#8217;</p>
<p>An der Fussgänger-Ampel über die Bernauer Strasse sammeln sich dann wieder die hippen Mitte-Berliner mit ihren City-Cruisern und Laptop-Umhängetaschen auf dem Weg in ihre schicken Ateliers, Agenturen oder sonstigen Altbauten. Mitten unter ihnen steht, fast als hätte sie sich verlaufen, eine ältere türkische Frau mit Kopftuch, schwer bepackt mit Einkaufstaschen und für einen Augenblick sieht es so aus, als wollte sie rüber, in den Osten.</p>
<p>Immer wenn diese Ampel grün wird, fällt mir ein, das hier einmal eine Mauer stand und ich bekomme Gänsehaut und genau dieses tolle Berlin-Gefühl.</p>
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		<title>Maxim Billers &#8216;Esra&#8217; &#8211; oder die Rückkehr des Liebesromans</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Aug 2006 09:23:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Juergen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Liebesgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Maxim Biller]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Dramaturgie von Liebesgeschichten ist einfach. Boy meets Girl, sie verlieben sich, sie kriegen sich und dann kommen die Hindernisse. Klingt langweilig, isses meistens auch. Die wenigen großen, ewigen Liebesgeschichten haben diese Magie der Verzweiflung, die uns darin versinken läßt und uns wünschen macht, wir könnten ähnliches erleben. Wer an ein Leben nach der großen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Dramaturgie von Liebesgeschichten ist einfach.</p>
<p>Boy meets Girl, sie verlieben sich, sie kriegen sich und dann kommen die Hindernisse. Klingt langweilig, isses meistens auch. Die wenigen großen, ewigen Liebesgeschichten haben diese Magie der Verzweiflung, die uns darin versinken läßt und uns wünschen macht, wir könnten ähnliches erleben.</p>
<p>Wer an ein Leben nach der großen Liebe glaubt, ist hier richtig, denn Biller ist ein Überlebender und erzählt in &#8220;Esra&#8221; die magische und wenn auch nicht große, so doch ewige Liebesgeschichte eines Mannes, zu eben jener Esra, einer zerbrechlichen und ängstlichen Frau, die mit schlafwandlerischer Ziellosigkeit durch ihr Leben torkelt und Leser wie Hauptfigur immer wieder mit sich reißt. Sie ist ständig auf der Flucht vor ihren Männern, ihrer Mutter, ihrer Heimat, vor der Krankheit ihrer Tochter und nicht zuletzt vor Adam, dem ruhenden Pol in ihrer kleinen Welt, der nicht anders kann, als sie unaufhörlich zu lieben. Erzähler und Leser, werden immer wieder angezogen, eingesogen, aufgewühlt und dann, wenn alles gut zu werden droht, wieder verstossen.</p>
<p>Eben da liegt das Wesen guter Liebesgeschichten, in der Unerreichbarkeit des Glücks ebenso wie in der Flüchtigkeit des Augenblicks. Die Ruhe und Hingabe, mit der Biller sie uns erzählt, machen aus dieser Geschichte eine der ganz Großen.</p>
<p>Maxim Billers Roman &#8220;Esra&#8221; ist 2003 bei Kiepenheuer &amp; Witsch in Köln erschienen und wurde kurz nach Erscheinen mit einer einstweiligen Verfügung belegt, so daß er heute nicht mehr verkauft werden darf.</p>
<p>In diesem Sinne: <strong>Weiterlesen</strong>!</p>
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		<title>Der ewige Biller</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Aug 2006 09:15:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Juergen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitgeist]]></category>
		<category><![CDATA[Alptraum]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Maxim Biller]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun ist es also wieder soweit. Eigentlich wollte ich NIE einen Text mit den Worten &#8220;Nun ist es also wieder soweit.&#8221; beginnen und wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch gehofft, nie wieder einen Text lesen zu müssen, der mit den Worten &#8220;Nun ist es also wieder soweit.&#8221; beginnt, aber&#8230; Nun ist es also wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist es also wieder soweit.</p>
<p style="font-style: italic;">Eigentlich wollte ich NIE einen Text mit den Worten &#8220;Nun ist es also wieder soweit.&#8221; beginnen und wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch gehofft, nie wieder einen Text lesen zu müssen, der mit den Worten &#8220;Nun ist es also wieder soweit.&#8221; beginnt, aber&#8230;</p>
<p style="font-weight: bold;">Nun ist es also wieder so weit.</p>
<p>Maxim Biller macht <a title="faz.net" href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E65C0DB6BB47E4FFCA5EBBACDF02B64C1~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Negativschlagzeilen</a>.</p>
<p>Worum geht es hier? Ich fasse mal zusammen: Billers Roman <a title="Mehr zu dem Roman" href="http://literatur-tagebuch.de/index.php/2006/08/15/maxim-billers-esra-oder-die-ruckkehr-des-liebesromans/">&#8220;Esra&#8221;</a>, 2003 bei KiWi in Köln erschienen, soll nun endgültig verboten bleiben. Doch damit nicht genug, am liebsten will man Biller selbst verbieten.</p>
<p>&#8220;Es droht eine Schmerzensgeldklage in zweistelliger Millionenhöhe.&#8221; &#8211; Das würde Biller vernichten. Und wofür?</p>
<p>Nein, nicht etwa für eine seiner zahlreichen Kolumnen im Stile von &#8220;Hundert Zeilen Hass&#8221; mit denen nicht nur ich sondern eine ganze Generation junger deutscher Intellektueller aufgewachsen ist, nicht wegen einer seiner üblichen Äußerungen gegen einen aus der alten braunen Garde, aus dem mit zunehmendem Alter immer mehr von der braune Scheisse heraustropft oder -quillt, die ihm als Kind eingeprügelt wurde und den man, als es Zeit gewesen wäre, übersehen hat, um ihn später zum FDP-Vorsitzenden, Arbeitgeber- oder Bundespräsidenten zu machen, nein. Wegen eines kleinen, ruhigen und sehr schön zu lesenden Liebesromans.</p>
<p><a title="Mehr zu dem Roman" href="http://literatur-tagebuch.de/index.php/2006/08/15/maxim-billers-esra-oder-die-ruckkehr-des-liebesromans/">&#8220;Esra&#8221;</a> erzählt die weniger rührende als anrührende Geschichte des Juden Adam, der in aller Ruhe und mit allem was dazu gehört versucht, die Türkin Esra zu lieben. Doch wie so oft in Billers Geschichten gelingt es dem Juden nicht, denn alle sind gegen ihn.</p>
<p>In dieser Geschichte, die sich ähnlich wunderbar liest wie &#8220;Den Teufel im Leib&#8221; von Raymond Radiguet oder die frühen Erzählungen von Schnitzler &#8211; vielmehr in ihren Hauptfiguren &#8211; wollen sich nun also zwei Frauen wiedererkennen, deren Humorlosigkeit offensichtlich nur noch von ihrer Gier und der kriminellen Energie ihrer Anwälte übertroffen wird.</p>
<p>Nun gut. Der Roman soll nicht mehr verkauft werden, nach letztem Stand soll nun auch die &#8220;korrigierte&#8221; Fassung aus den Geschäften verschwinden, mir egal, ich hab mein Exemplar und<strong> Lesen</strong> ist hoffentlich noch nicht strafbar.</p>
<p>Aber nun soll auch Biller bluten. Und peinlicher noch als die Tatsache, daß sich dafür in Deutschland ein Gericht findet, ist die heimliche Freude, die sich &#8211; auch unter Intellektuellen &#8211; in diese Diskussion mischt. Man mahnt den Dichter zur Vorsicht. Man rät ihm abzuwägen, wen er &#8220;beleidigt&#8221; und wie. Ich bin mir nicht sicher, wieviele dieser Claqueure die Originalfassung des Romans tatsächlich gelesen haben &#8211; so viele Exemplare sind wohl nicht im Umlauf &#8211; aber ich habe den Eindruck, auch hier geht es um etwas Anderes.</p>
<p>Es geht um Biller. Den ewigen Nörgler, der sich nicht gemein macht mit Eurem liberalen Altachtundsechtzigergewinsel und der Euch nicht entläßt aus der Schuld. Und ich meine nicht die Schuld von damals, ich meine die Schuld von heute. Es geht um den Biller, der leise, still und geduldig all die Fragen stellt, die Ihr Euch nicht getraut zu stellen und der darauf auch noch eine Antwort bekommt, und ob es Euch gefällt oder nicht, es geht um <strong>den</strong> Biller, der sprachlich brillanter ist als Ihr alle zusammen. Ihr wollt ihn hängen sehen.</p>
<p>Jetzt steht er am Galgen, ihm werden die Hände am Rücken zusammen gebunden und bald, bald baumelt er nur noch und kann euch nichts mehr tun. Daran geilt Ihr Euch auf.</p>
<p>Schämt Euch!</p>
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