24hBerlin?

Geschrieben von Juergen am 27. August 2008 | Abgelegt unter nur so

Was hält man denn davon? Link

24 Stunden Berlin und 3,8 Millionen Hauptrollen. Wenn das mal gut geht.

Da hat sich ja der rbb mal wieder einen schönen Quatsch aufschwatzen lassen. Und die beiden Insolvenzverwalter des deutschen Dokumentarfilms, Volker Koepp (Wittstock Wittstock Wittstock Wittstock) und Andres Veiel (Black Box BRD) garantieren dafür, dass es auch diesmal wieder eine langweilige Betroffenheits-Schmonzette wird.

Fehlt nur noch Thomas Schadt (auch so’n Insolvenzverwalter) alias Prof. Thomas Schadt – Autor, Produzent, Regisseur, Kameramann, Fotograf UND neuerdings auch "Geschäftsführer" der Filmakademie Baden-Württemberg (als Künsterlischer Leiter war er wohl überqualifiziert) aber den kennt hier beim rbb wohl keiner.

Obwohl.. ist der nicht auch schon mal an dem Thema "Berlin" gescheitert?

Manche sagen "grandios" andere sagen "kläglich" – ich hab’s nicht gezählt, aber ich habe den Eindruck, die Anzahl der kläglich-Sager überwiegt. Mit ein bisschen Glück bleibt er uns ja diesmal auch erspart..

Und was kommt danach? Freu mich schon auf "24h Wittstock Wittstock" (Koepp) oder auf "24h mit den Selbstmördern von Stammheim in der Black Box BRD" (Veiel).

Aber Natürlich zahl’ ich! Weil ich Vielfalt brauche. Weil ich freie und unabhängige Medien brauche. (Die Schnappe kann ich auch nicht mehr sehn)

Aber was will man machen? Bei den "Privaten" sinkt das Niveau (Ey, was? Nivea? Willzmisch vearschen?) ja auch immer weiter, da muss man sich als öffentlich-rechtlicher Gebühren-Verbrenner ganz schön ranhalten.

Ihr kennt doch alle diese betroffen dreibblickenden Menschen aus dem Iran oder Bangla Desch, die mit Schnellheftern voller schlimmer Fotos von verstümmelten Kinder-Genitalien vor den Einkaufspassagen und Post-Filialen der Hauptstadt stehen und die Menschen hier über Grausamkeiten und Folter in ihrer Heimat aufklären wollen?

Ich stell’ mir grade vor, wie Oli Pocher (ja, der kann sowas, der hat acht Jahre Wachturm gemacht) mit einem Schnellhefter voller Programm-Konzepte deutscher öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten vor dem UNO-Gebäude oder unter dem Eiffelturm steht, um die Menschen dort über Grausamkeiten und Folter in meiner Heimat aufzuklären.

Ich würde ihm einen Flyer abkaufen!

Stösschen!

Geschrieben von Juergen am 7. August 2008 | Abgelegt unter wo kein Name hat

Da is man fast geneigt, das Ende der EM als kulinarisches Highlight lobzupreisen.

Scharfe Schuhe

Geschrieben von Juergen am 6. August 2008 | Abgelegt unter iBlog

Nicht nur Frauen haben einen Hau, wenn es um Schuhe geht. Ich auch.

Gestern – ich wollte mir zum Abschied aus Stuttgart noch schnell eines jener wunderbaren, leinengebundenen Notiz-Bücher kaufen, die sich so wunderbar geschmeidig blättern und trotzdem so wunderbar stabil sind und die es in Berlin nichteinmal bei Manufaktum gibt – war ich also im "Breuninger".

Für alle die noch nie in Stuttgart waren: Der oder das "Breuninger" ist ein recht großes Kaufhaus, auf das Stuttgart sich ‘ne Menge einbildet und wo’s dann so Sachen gibt, die kein Mensch braucht und/oder kein Mensch bezahlen kann. Für die Berliner unter meinen Lesern: Der oder das "Breuninger" st so eine art teures KDW für Schwaben.

Da war ich also gestern im vierten Stock, in der Abteilung, die garantiert sämtliche Büro-Artikel führt, die man in einem Büro garantiert NICHT braucht. Und eben diese meine Lieblingsnotizbücher. Die haben da – ich schwöre bei dem Füllfederhalter mit dem ich mein Abitur geschrieben habe – als Stiftmäppchen getarnte Etuis, zur Aufbewahrung von zwei versilberten Edelstahl-Röhrchen. Eines der Röhrchen dient der Aufbewahrung einer einzelnen kleinen Zigarre und das andere fasst ca. 1 cl Flüssigkeit. Ich schwöre! Gut, in das Getränke-Rohrchen kann man sicher auch Fanta oder Sprite hineingeben aber wer zur Hölle schleppt eine einzelne kleine Zigarre und 1 cl Southern Comfort – oder sonstigen Schickeria-Fusel mit sich herum und tarnt dies auch noch als "Stifte"? Selbst den heimlichen Alkoholikern unter den Snobs oder den Snobs unter den heimlichen Alkoholikern traut man mehr Stil zu, als ihre Sucht hinter derlei überkandideltem Bourgeoisie-Schnickschnack zu verstecken.

All den Lesern, die hier nur wegen der unscharfen iPhone-Fotos gelegentlich mal hinsurfen sei gesagt: Leider ist es mir wegen der schummerigen Lichtverhältnisse und der dunklen Farbe der Etui-Hülle nicht gelungen ein verwertbares Foto von dem Schicki-Micki-Säufer-Etui zu machen. Da ich derlei Unsinns-Accesoires auch bisher noch nirgendwo anders gesehen habe, weiss ich auch nicht, ob es mir gelingen wird, dies nachzuholen.

Nun hatte ich mich also gerade von dem Schock erholt, der einen befällt, wenn man eines unschuldigen Dienstag-Nachmittags über derlei verquere Utensilien stolpert, als ich nichtsahnend die Rolltreppe hinunter fuhr. Mein Blick klärte sich gerade wieder von den Tränen, die ich eben noch gelacht hatte und plötzlich fielen mir DIESE SCHUHE ins Auge.

Scharfe Schuhe

Von über 60 EUR auf knappe 30 reduziert, da hat man als Schwabe keine Wahl. Da gibt’s auch kein "hässlich". Und was Zinedine Zidane kann, kann ich schon lange, zumindest modemässig.

Nun hab ich also neue Schuhe, sie sind von Nike und silber und aus 100% Vollplastik und ich liebe sie sehr. Fast so sehr wie meine ersten eigenen Turnschuhe, die ich einmal als Kind geschenkt bekam.

Das war so: Ich war neun und wir lebten noch ich Temeswar. Das liegt in Rumänien und 1980 in Rumänien echte Adidas-Turnschuhe zu haben, war eine kleine Sensation. Ich wachte also eines Morgens auf und neben meinem Bett standen diese Schuhe. Sie waren weiss und die äußeren der beiden Adidas-Streifen waren blau, der mittlere war rot. Die Fläche zwischen den Schnürsenkeln und der Fusspitze war mit regelmässig angeordneten kleinen Löchern versehen und die graue Sohle zog sich bis hoch über die Fußspitzen. Ich hatte noch nie solche Schuhe gesehen und wenn man das heute auch nicht für möglich hält, es waren echte Adidas, denn diese Schuhe wurden damals wie heute in der Lederfabrik meiner Geburtsstadt Temeswar angefertigt.

Wie dem auch sei, ich habe diese Schuhe damals so sehr geliebt, dass ich sie eine geschlagene Woche nur in der Wohnung und sogar nachts im Bett getragen habe. Seitdem hab ich einen Hau – was Schuhe angeht..

Ich bin dann mal weg!

Geschrieben von Juergen am 5. August 2008 | Abgelegt unter iBlog

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Morgen endet mein kurzes berufliches Gastspiel in Stuttgart. Deswegen gibts heute hier Kekse.

Wieso? Weshalb? Warum? Vielleicht später mal ausführlich…

Deutsch mal falsch

Geschrieben von Juergen am 1. August 2008 | Abgelegt unter iBlog

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Die Schönheit der Deutschen Sprache: Kein Verdienst der Stuttgarter Gastronomie!

Á la maison

Geschrieben von Juergen am 30. Juli 2008 | Abgelegt unter iBlog

Am schönsten ist der Berliner Sommer, so wie hier, kurz nach dem Regen, wenn sich die Sonne wieder heraus traut.

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Das Maison de France – von aussen besser als sein Ruf.

My Name is Arnold, J. A. K. Arnold

Geschrieben von Juergen am 16. Juli 2008 | Abgelegt unter nur so

Coming soon:

The Attak Of The Bavarian Super-Spider

The Attack Of The Bavarian Super-Spider

Makrobiotik für Anfänger

Geschrieben von Juergen am 9. Juli 2008 | Abgelegt unter Literaturtagebuch

Maria, ihm schmeckt’s nicht! – von Jan Weiler

Essen, das wissen wir schon längst, ist in Italien weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Das Auftischen und Verzehren von Speisen aller Art ist in italienischen Familien Statussymbol, Zusammenhalt, Trost, Angeberei, Ritual und Lebensmittelpunkt und was am schönsten ist, meist alles zugleich. Vor allem Gäste aus dem Ausland will man nicht mit leeren Händen und schon gar nicht mit leeren Tellern empfangen. Und da in Italien ja praktisch immer einer irgendwo zu Gast ist, wird eben bei jeder Gelegenheit gegessen, gegessen, gegessen.

„Was die Ernährung angeht, so ist es absolutes Wunder, dass dieses Land noch existiert…“ stellt Jan Weiler ebenso ironisch wie einfühlsam in seinem Roman „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ fest.

Als der Ich-Erzähler eine Halb-Italienerin heiratet, kommt mit seiner Frau auch deren „Sippe“ und mit der Sippe auch das Auftischen und Verzehren diverser Köstlichkeiten in sein Leben. In dem Roman, in dem es bei Weitem nicht nur ums Essen geht, auch wenn dies immer wieder eine charmante aber unbarmherzige Rolle spielt, geht es oft lustig und albern aber eben auch nachdenklich und liebevoll zu.

Die Hauptfigur Antonio Marcipane kommt in den sechziger Jahren als Gastarbeiter aus seiner italienischen Heimat nach Deutschland. Das ist zwar nicht New York, wohin er viel lieber gegangen wäre, aber immerhin ist es weit genug weg von der kleinen Stadt im Apennin, in der er geboren wurde und aufgewachsen ist und vor allem weit genug weg vom italienischen Militär, von dem er sich nicht herumkommandieren und -schikanieren lassen wollte.

Stattdessen, und das ist die Tragik dieses Buches, wird er sich in seiner neuen „Heimat“, die ihm nie die alte ersetzen, ihn aber auch nie so richtig in die Arme schließen wird, von ganz anderen beschimpfen, herumschubsen und schlecht behandeln lassen müssen. So lange bis auch das ihm nichts mehr ausmacht, denn Antonio, und das ist das Pfund, mit dem der Autor charmant zu wuchern versteht, ist mit einer Menschenliebe und Lebensfreude gesegnet, die nicht nur ansteckend sondern auch geeignet ist, dem Leser zuweilen die Tränen in die Augen zu treiben.

Denn wie immer, wenn einer fort geht, von da wo er geboren wurde, weil er eben musste oder weil ihm die Welt, wie er sie kannte, zu klein geworden war, wenn einer nie richtig ankommt im „gelobten Land“ – wie auch immer dies nun heißen mag – mischt sich das Motiv der Rührung in scheinbar banale Lebensgeschichten. Und eben diese eine so ganz ohne Mitleid und gar nicht von oben herab ganz wunderbar erzählt zu haben, genau das ist der große Verdienst dieses kleinen Buches.

In diesem Sinne: Weiterlesen!

Tag 8 – Auf der Zielgeraden

Geschrieben von Juergen am 17. Februar 2008 | Abgelegt unter Berlinale, Berlinale 2008

Ein letztes Mal früh aufstehen!

Meine Müdigkeit merke ich vor allem daran, dass ich von den fünf Filmen des Heutigen Tages nur einen behalten habe.

Der Retrospektive - Beitrag Susanna (1951), von Luis Bunuel im Mexikanischen Exil gedreht, schildert in kammerspielhafter Intensität den Konflikt zwischen Mann und Frau auf der gesellschaftlichen Schwelle zur Moderne. Klingt geschwollen und aufgesetzt, ist es zum Teil auch aber eben nur zum Teil.

Die Schöne und gleichzeitig ein wenig unwirklich-gefährliche Susanna flieht aus ihrer stilisierten Gefangenschaft und findet Zuflucht auf einer Farm. Während die Frau des Hauses Susanna wie eine Tochter annimmt verführt diese reihum die Männer des Hauses, beginnend bei dem Sohn über den Vorarbeiter bis hin zum Hausherren.

Die Mischung aus Naivität und Kalkül mit der Susanna dies tut wird dabei immer absurder und unterstreicht die Schemenhaftigkeit dieses excellent inszenierten Filmes. Im Gegensatz zu seinen frühen Filmen, in denen Bunuel absurde Handlung in die normale Welt projiziiert, sind bei Susanna die Figuren und Handlunge so real und normal, dass die Welt in der sie sich bewegen und an der sie scheitern das eigentlich absurde zu sein scheint.

  • zwei Liter Evian
  • drei Kaffee
  • zwei Sandwitches
  • ein Croissant
  • elf Zigaretten

Ihr habt es bald geschafft.

Tag 7 – durch den Wind

Geschrieben von Juergen am 16. Februar 2008 | Abgelegt unter Berlinale, Berlinale 2008

Mir stecken die sechs Tage Festival ganz schön in den Knochen. Sechs mal bin ich nun also schon – mehr oder weniger konsequent – um sechs Uhr aufgestanden, um als einer der Ersten in der Kartenschlange zu setehen. Sechs Tage lang mit vier Stunden Schlaf auszukommen, das schaffen nur die Harten. Viel Kaffee, kaum Alkohol und wenig leichtes Essen haben mir sehr dabei geholfen. Ich hab auch weniger geraucht und einen Frühlingsmantel hab ich mir auch gekauft. Man will ja nicht frieren beim Gutaussehen.

Die ersten beiden Filme des heutigen Tages verdienen keine weitere Erwähnung, kommen wir also gleich, direkt und ohne Umschweife zum Highlight. Isaac Juliens Film Derek schildert in vielen bekannten aber auch in privaten Bildern und einem letzten langen Interview viel persönliches über den 1994 an AIDS gestorbenen britischen Maler und Filmemacher Derek Jarman, ohne dessen Filme sicher einige von uns nicht diesen Beruf ergriffen hätten. Über weiten Strecken des Filmes liegt als Voice-Over ein Brief, in dem Tilda Swinton ihrem ehemaligen Entdecker und Weggefährten 13 Jahre nach seinem Tod nochmal für alles dankt. Ich kann mich da nur anschliessen.

Überhaupt ist die diesjährige Berlinale voll mit gelungenen Hommagen an die ganz grossen.

Ein kleines Ärgerniss – und diese häufen sich im diesjährigen Wettbewerb – war Lance Hammers Ballast, ein ebenso Emotions- wie Erreignisloses Middle-Of-Nowhere – Familiendrama, von dem ich mir bei den Vorschusslorbeeren – auf Regisseur und Film – ein wenig mehr Drama erhofft hatte.

Auch heute wieder:

  • drei Kaffee
  • zwei Sandwitches
  • ein Croissant
  • ein Orangina
  • anderthalb Liter Evian
  • neun Zigaretten

Bald kann ich wieder ausschlafen. Guten Nacht!

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